EuGH-Urteil eröffnet deutschen Online-Spielern Wege zur Rückforderung von Verlusten aus verbotenen Wetten
David Foster · May 21, 2026

EuGH-Urteil eröffnet deutschen Online-Spielern Wege zur Rückforderung von Verlusten aus verbotenen Wetten

Das Gericht der Europäischen Union hat in einem wegweisenden Verfahren festgestellt, dass Spieler in Deutschland unter bestimmten Bedingungen Verluste aus Online-Casino-Spielen und anderen Glücksspielformen zurückfordern können, wenn diese zum Zeitpunkt der Wette nach nationalem Recht untersagt waren. Die Entscheidung im Fall C-440/23 betrifft einen maltesisch lizenzierten Anbieter und bestätigt, dass EU-Recht Mitgliedstaaten nicht daran hindert, solche Dienste zu verbieten und zivilrechtliche Folgen wie nichtige Verträge sowie Rückerstattungsansprüche durchzusetzen. Dies gilt auch dann, wenn sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen später ändern.
Hintergründe des Verfahrens vor dem EuGH
Der Fall geht auf Einsätze zurück, die vor der umfassenden Neuregelung des Glücksspiels in Deutschland im Jahr 2021 getätigt wurden. Zu jener Zeit war das Angebot der meisten Online-Glücksspiele und bestimmter Casino-Formate in Deutschland weitgehend untersagt, während Anbieter mit Lizenzen aus anderen EU-Staaten wie Malta ihre Dienste dennoch zugänglich machten. Ein deutscher Spieler erhob Klage auf Erstattung seiner Verluste, und das nationale Gericht leitete das Verfahren an den Europäischen Gerichtshof weiter, um die Vereinbarkeit mit EU-Recht zu klären.
Experten haben beobachtet, dass solche grenzüberschreitenden Fälle häufig Fragen zur Dienstleistungsfreiheit und zum Verbraucherschutz aufwerfen, während die Mitgliedstaaten gleichzeitig ihre Zuständigkeit für die Regulierung von Glücksspielen behalten. Das Urteil stellt klar, dass nationale Verbote und die daraus resultierenden zivilrechtlichen Konsequenzen mit dem EU-Recht vereinbar bleiben, selbst wenn ein Anbieter über eine ausländische Lizenz verfügt.
Kernpunkte der EuGH-Entscheidung
Das Gericht entschied, dass EU-Recht Mitgliedstaaten nicht daran hindert, zivilrechtliche Sanktionen wie die Nichtigkeit von Verträgen und die Rückforderung von Verlusten durchzusetzen, wenn die betreffenden Glücksspieldienste zum Zeitpunkt der Transaktion verboten waren. Dies gilt unabhängig davon, ob der Anbieter später eine Genehmigung erhält oder sich die Rechtslage ändert. Die Richter betonten, dass solche Maßnahmen dem Schutz der Verbraucher und der Bekämpfung von Spielsucht dienen können, ohne gegen die Grundfreiheiten des Binnenmarkts zu verstoßen.
Beobachter weisen darauf hin, dass die Entscheidung auf die spezifische Situation in Deutschland vor 2021 abstellt, in der Online-Casino-Spiele und vergleichbare Angebote ohne entsprechende Erlaubnis nicht zulässig waren. Spieler können daher unter diesen Voraussetzungen zivilrechtlich gegen die Anbieter vorgehen, und Gerichte in den Mitgliedstaaten müssen solche Ansprüche prüfen.

Auswirkungen auf den deutschen Glücksspielmarkt im Jahr 2026
Im Mai 2026 zeigt sich, dass das Urteil bereits zu einer Reihe von Folgeverfahren bei deutschen Gerichten geführt hat. Spieler, die zwischen 2016 und 2021 bei nicht lizenzierten Online-Anbietern gespielt haben, prüfen nun verstärkt Möglichkeiten zur Rückforderung. Die Entscheidung betrifft insbesondere maltesische und andere EU-lizenzierte Betreiber, die ihre Dienste damals deutschen Nutzern angeboten haben. Rechtsexperten erklären, dass die zivilrechtliche Durchsetzbarkeit von Rückerstattungsansprüchen weiterhin von den individuellen Umständen des jeweiligen Falls abhängt, einschließlich Nachweisen über die getätigten Einsätze und den damaligen Rechtsstatus.
Die Regulierungsbehörden in Deutschland haben die Entwicklung aufmerksam verfolgt, da sie Auswirkungen auf laufende Lizenzverfahren und die Zusammenarbeit mit ausländischen Anbietern haben kann. Daten aus Gerichtsstatistiken zeigen, dass ähnliche Klagen in den vergangenen Monaten zugenommen haben, während die Branche auf klare Leitlinien zur Umsetzung der EuGH-Vorgaben wartet.
Rechtliche Einordnung und langfristige Folgen
Das Urteil reiht sich in eine Serie von Entscheidungen des EuGH ein, die den Spielraum der Mitgliedstaaten bei der Glücksspielregulierung bestätigen. Es unterstreicht, dass nationale Verbote mit zivilrechtlichen Konsequenzen wie der Nichtigkeit von Verträgen und Restitutionsansprüchen mit dem EU-Recht vereinbar sind. Für Anbieter bedeutet dies, dass sie auch bei späterer Legalisierung bestimmter Angebote mit Rückforderungen aus der Vergangenheit rechnen müssen.
PRESS RELEASE No 53/26 - Judgment of the Court in Case C-440/23 fasst die wesentlichen Erwägungen des Gerichts zusammen und dient als Referenz für weitere Verfahren. Behörden und Gerichte in den Mitgliedstaaten nutzen diese Grundlage, um nationale Vorschriften entsprechend anzuwenden.
Schlussfolgerung
Die EuGH-Entscheidung schafft einen klaren rechtlichen Rahmen für Rückerstattungsansprüche deutscher Spieler bei früher verbotenen Online-Glücksspielen. Sie bestätigt die Möglichkeit zivilrechtlicher Durchsetzung, ohne die Kompetenzen der Mitgliedstaaten einzuschränken. In den kommenden Monaten werden weitere Gerichtsverfahren zeigen, wie sich diese Vorgaben in der Praxis auswirken und welche Verfahren Anbieter sowie Spieler künftig beachten müssen.